Das venöse Ekzem (Stauungsekzem, Varikosekzem) ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung, die sich meist im Bereich der Unterschenkel entwickelt und mit Krampfadern sowie einer chronischen Venenschwäche zusammenhängt. Typischerweise zeigt es sich durch gerötete oder dunkel verfärbte Hautareale mit Schuppung, Schwellung und Juckreiz. Mit der Zeit kann die Haut verdickt, trocken werden und eine bräunliche bis dunkelbraune Verfärbung annehmen.
Der Juckreiz beim venösen Ekzem ist häufig dauerhaft oder tritt wiederkehrend auf. Viele Betroffene berichten, dass die Beschwerden am Abend, nach langem Stehen, bei warmem Wetter oder nach einer heißen Dusche stärker werden. Zusätzlich können Schweregefühl in den Beinen, Brennen und Schmerzen der Haut auftreten.
Die Erkrankung ist nicht ansteckend und wird nicht auf andere Menschen übertragen. Das venöse Ekzem gehört zu den häufigen Komplikationen chronischer Venenerkrankungen und tritt besonders oft bei Menschen über 45 Jahren auf. Bei rechtzeitiger Behandlung lassen sich die Beschwerden meist gut kontrollieren.
Was tun bei Verdacht auf ein venöses Ekzem
Wenn an den Unterschenkeln juckende, gerötete, schuppende oder dunkel verfärbte Hautbereiche auftreten, insbesondere bei bestehender Varikose, sollte ein Dermatologe oder Phlebologe aufgesucht werden.
Da die Erkrankung nicht nur die Haut, sondern auch die venöse Durchblutung betrifft, ist eine Beurteilung des Venensystems der Beine wichtig. Der Arzt kann zusätzliche Untersuchungen veranlassen, um eine chronische Venenschwäche festzustellen.
Bis zur ärztlichen Untersuchung sollte man vermeiden:
- die Haut zu kratzen
- die betroffenen Stellen zu verletzen
- starke Salben ohne ärztliche Anweisung anzuwenden
Eine Untersuchung sollte nicht hinausgezögert werden. Ohne Behandlung kann die Erkrankung fortschreiten, und in schweren Fällen steigt das Risiko für die Entstehung von Unterschenkelgeschwüren (trophischen Ulzera).
Wie das venöse Ekzem aussieht
In den meisten Fällen treten die Hautveränderungen an den Innenseiten der Knöchel und im unteren Drittel der Unterschenkel auf.
Typische Anzeichen:
- Hautrötung
- braune, dunkelrote oder bräunlich-violette Hautverfärbungen
- Schuppung
- trockene Haut
- Schwellung der Unterschenkel
- kleine Bläschen
- nässende Hautstellen
- Kratzspuren und Krusten
- Hautverdickung bei längerem Verlauf
In frühen Stadien können die Symptome nur schwach ausgeprägt sein. Manchmal sind Juckreiz oder kleine dunkle Flecken im Knöchelbereich die ersten Anzeichen.
Mit Fortschreiten der Erkrankung wird die Haut fester, verfärbt sich stärker und verliert an Elastizität.
Weiter unten im Artikel können Sie reale Fotos ansehen, um das Erscheinungsbild der Erkrankung besser zu verstehen.
Es ist wichtig zu beachten, dass das Aussehen des venösen Ekzems je nach Krankheitsstadium und Ausmaß der venösen Durchblutungsstörung erheblich variieren kann.
Hauptsymptome
Das charakteristischste Symptom ist Juckreiz im Bereich der Unterschenkel.
Zusätzlich treten häufig auf:
- Schuppung
- trockene Haut
- Rötung
- Hautverdunkelung
- Schweregefühl in den Beinen
- Schwellungen, die sich gegen Abend verstärken
- Brennen
- Hautschmerzen
- nässende Hautareale
- Krustenbildung
Viele Patienten bemerken, dass sich die Beschwerden nach Ruhephasen mit hochgelagerten Beinen bessern und sich nach längerem Stehen verschlimmern.
Ursachen der Erkrankung
Die Hauptursache des venösen Ekzems ist eine chronische Venenschwäche.
Normalerweise transportieren die Venen das Blut effizient von den Beinen zurück zum Herzen. Wenn die Venenklappen nicht richtig funktionieren, staut sich ein Teil des Blutes in den unteren Extremitäten.
Risikofaktoren:
- Krampfadern
- chronische Venenschwäche
- durchgemachte tiefe Venenthrombose
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- langes Sitzen oder Stehen
- altersbedingte Gefäßveränderungen
Durch den Blutstau steigt der Druck in den Venen an, was langfristig zu Schäden im umliegenden Gewebe und zur Entzündung der Haut führt.
Wie sich das venöse Ekzem entwickelt
Bei chronischer Venenschwäche verbleibt Blut in den Venen der Beine.
Mit der Zeit tritt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das umliegende Gewebe aus. Dies führt zu Schwellungen und chronischen Entzündungsprozessen.
Die Haut erhält weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Dadurch wird sie empfindlicher, trockener und anfälliger für Verletzungen.
Infolgedessen entstehen Juckreiz, Schuppung, Hautverfärbungen und die typischen Ekzemveränderungen. Bei langjährigem Verlauf können trophische Ulzera entstehen.
Formen und Varianten
Das venöse Ekzem kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
Leichte Formen äußern sich hauptsächlich durch trockene Haut, Juckreiz und kleinere gerötete Hautbereiche.
Bei mittelschweren Verläufen treten ausgeprägte Schuppung, dauerhafte Hautverfärbungen und Schwellungen auf.
Schwere Formen gehen mit nässenden Hautstellen, Hautverdickungen, chronischen Entzündungen und trophischen Ulzera einher.
Womit kann ein venöses Ekzem verwechselt werden?
Das venöse Ekzem wird besonders in frühen Stadien häufig mit anderen Hauterkrankungen verwechselt.
Venöses Ekzem oder Psoriasis?
Psoriasis zeigt sich meist durch feste Plaques mit silbrigen Schuppen und betrifft häufig Ellbogen, Knie und die Kopfhaut.
Das venöse Ekzem entwickelt sich überwiegend an den Unterschenkeln und geht mit Zeichen einer venösen Durchblutungsstörung wie Schwellungen, Schweregefühl und Hautverfärbungen einher.
Venöses Ekzem oder Hautpilz?
Pilzinfektionen verursachen häufig Juckreiz und Schuppung, haben jedoch meist schärfere Begrenzungen und breiten sich typischerweise vom Rand her aus.
Für das venöse Ekzem sind die Verbindung zu Venenerkrankungen sowie die Lokalisation an Knöcheln und Unterschenkeln typisch.
Venöses Ekzem oder Flechte?
Einige Flechtenformen können ebenfalls Rötung und Schuppung verursachen.
Beim venösen Ekzem liegen jedoch fast immer Anzeichen einer chronischen venösen Abflussstörung vor.
Venöses Ekzem oder Krätze?
Krätze verursacht typischerweise starken nächtlichen Juckreiz und charakteristische Milbengänge.
Beim venösen Ekzem treten Juckreiz, Schwellungen, Hautverfärbungen und Zeichen einer Venenerkrankung gemeinsam auf.
Venöses Ekzem oder Zellulitis (bakterielle Hautentzündung)?
Bei einer bakteriellen Hautentzündung entwickelt sich die Rötung meist rasch, ist schmerzhaft und kann mit Fieber einhergehen.
Das venöse Ekzem entwickelt sich dagegen langsam und hat einen chronischen Verlauf.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Eine ärztliche Untersuchung wird empfohlen, wenn:
- anhaltender Juckreiz an den Unterschenkeln besteht
- die Haut dunkler oder fester wird
- regelmäßig Beinschwellungen auftreten
- nässende Hautstellen entstehen
- schmerzhafte Hautrisse auftreten
- Krampfadern vorhanden sind
- Geschwüre oder schlecht heilende Hautverletzungen entstehen
Besonders wichtig ist eine Untersuchung, wenn Hautveränderungen zusammen mit ausgeprägten Krampfadern auftreten.
Behandlung
Die Behandlung des venösen Ekzems zielt sowohl auf die Verringerung der Hautentzündung als auch auf die Verbesserung der venösen Durchblutung ab.
Eine wichtige Rolle spielt die richtige Hautpflege. Regelmäßig angewendete Feuchtigkeitscremes helfen, die Hauttrockenheit zu reduzieren und die Hautbarriere zu stärken.
Außerdem ist es wichtig, Faktoren zu reduzieren, die den venösen Blutstau fördern.
Der Arzt kann eine lokale Behandlung mit Cremes oder Salben verschreiben, um Entzündungen und Juckreiz zu lindern.
Bei chronischer Venenschwäche können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein, die den venösen Rückfluss verbessern.
Bei ausgeprägten Krampfadern kann eine gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Venenerkrankung notwendig sein.
Der konkrete Therapieplan wird immer individuell nach einer Untersuchung festgelegt.
Fragen und Antworten
Kann man ein venöses Ekzem heilen?
In vielen Fällen lassen sich die Symptome deutlich reduzieren oder vollständig kontrollieren. Für einen langfristigen Erfolg ist es jedoch wichtig, sowohl die Hautveränderungen als auch die zugrunde liegende Venenerkrankung zu behandeln.
Ist ein venöses Ekzem gefährlich?
Das Ekzem selbst stellt normalerweise keine unmittelbare Lebensgefahr dar. Unbehandelt kann die Erkrankung jedoch fortschreiten und zur Entstehung chronischer Unterschenkelgeschwüre führen.
Verschwindet das Ekzem nach der Behandlung von Krampfadern?
Bei vielen Patienten verbessert sich der Hautzustand deutlich, wenn die venöse Durchblutungsstörung behandelt wird. Dennoch kann eine zusätzliche dermatologische Therapie weiterhin erforderlich sein.
Sind venöses Ekzem und Krampfadern dasselbe?
Nein. Krampfadern sind eine Erkrankung der Venen, während das venöse Ekzem eine Komplikation ist, die durch die gestörte venöse Durchblutung entsteht.
Warum wird die Haut braun?
Durch den langanhaltenden venösen Blutstau treten Bestandteile des Blutes aus den Gefäßen aus und lagern sich in der Haut ab. Dadurch entsteht die typische bräunliche Pigmentierung.
Kann ein venöses Ekzem auch ohne sichtbare Krampfadern auftreten?
Ja. In einigen Fällen entwickelt sich die Erkrankung bei chronischer Venenschwäche, auch wenn äußerlich keine ausgeprägten Krampfadern sichtbar sind.
Darf die betroffene Haut nass werden?
Normale Hygienemaßnahmen sind erlaubt. Sehr heißes Wasser kann jedoch Juckreiz und Hauttrockenheit verstärken.
Entstehen immer trophische Ulzera?
Nein. Bei rechtzeitiger Behandlung entwickeln die meisten Patienten keine trophischen Ulzera.
Quellen und medizinische Literatur
American Academy of Dermatology (AAD)
National Eczema Association (NEA)
European Academy of Dermatology and Venereology (EADV)
Society for Vascular Surgery (SVS)
European Society for Vascular Surgery (ESVS)
Fitzpatrick’s Dermatology, 10. Auflage
Rook’s Textbook of Dermatology, 10. Auflage
Bolognia JL, Schaffer JV, Cerroni L. Dermatology, 5. Auflage
UpToDate: Stasis Dermatitis
British Association of Dermatologists (BAD)