Das mikrobielle (paratraumatische) Ekzem ist eine entzündliche Hauterkrankung, die sich meist rund um infizierte Wunden, Schürfwunden, trophische Ulzera, postoperative Nähte oder Fisteln entwickelt. Typischerweise zeigt es sich als scharf begrenzter Bereich mit Rötung, Nässen, Schuppung sowie festen gelblichen oder grünlich-eitrigen Krusten. Am häufigsten sind die Unterschenkel, Füße, Hände und Bereiche mit chronischen Hautschäden betroffen.

Der Juckreiz kann dauerhaft oder wiederkehrend sein und ist oft deutlich ausgeprägt. Häufig verstärkt er sich nach Wasserkontakt, bei Schwitzen oder mechanischer Reizung der Haut. Zusätzlich können Brennen, Schmerzen und ein Spannungsgefühl auftreten.

Die Erkrankung gilt nicht als ansteckend. Obwohl Bakterien an der Entstehung beteiligt sind, entsteht das Ekzem durch eine komplexe Reaktion des Immunsystems und der Haut rund um einen chronischen Infektionsherd. In den meisten Fällen lässt sich die Erkrankung durch eine gezielte Behandlung der zugrunde liegenden Ursache gut kontrollieren.

Was tun bei Verdacht auf ein mikrobielles Ekzem?

Wenn sich rund um eine Wunde, ein Ulkus, eine Schürfung oder eine andere Hautverletzung Rötungen, Nässen, Juckreiz und Krusten bilden, sollte ein Dermatologe aufgesucht werden. Entwickelt sich das Ekzem im Zusammenhang mit Krampfadern oder einem trophischen Ulkus, kann zusätzlich eine Untersuchung durch einen Gefäßchirurgen oder Phlebologen erforderlich sein.

Bis zur ärztlichen Untersuchung sollte Folgendes vermieden werden:

  • die betroffene Haut zu verletzen
  • Krusten selbst zu entfernen
  • zufällige Salben oder Hausmittel anzuwenden

Einige Präparate können die Symptome vorübergehend lindern, gleichzeitig aber den Krankheitsverlauf verschlechtern oder die Diagnose erschweren.

Die ärztliche Untersuchung sollte nicht aufgeschoben werden. Ohne Behandlung kann sich die Entzündung auf benachbarte Hautbereiche ausbreiten, und chronische Verläufe sind deutlich schwieriger zu kontrollieren.

Wie sieht ein mikrobielles Ekzem aus?

Ein mikrobielles Ekzem beginnt meist rund um eine bereits bestehende Hautschädigung. Dabei kann es sich um eine Wunde, ein trophisches Ulkus, eine Fistel, Kratzspuren, eine Verbrennung oder eine Operationsnarbe handeln.

Typische Merkmale:

  • leuchtend rote oder rötlich-bläuliche entzündete Hautbereiche
  • scharf begrenzte und gut erkennbare Herde
  • nässende Hautoberfläche mit Flüssigkeitsabsonderung
  • gelbe, gelblich-grüne oder bräunliche eitrige Krusten
  • Schuppung am Rand der Läsion
  • kleine Bläschen und Hautrisse

Mit der Zeit kann sich der Herd vergrößern. Rund um die Hauptläsion entstehen gelegentlich neue kleine entzündliche Veränderungen.

Weiter unten im Artikel können Sie reale Fotos ansehen, um das Erscheinungsbild der Erkrankung besser zu verstehen.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Erscheinungsbild eines mikrobiellen Ekzems von Person zu Person erheblich variieren kann. Im Internet werden häufig schwere Krankheitsverläufe gezeigt, die nicht immer dem typischen Erscheinungsbild entsprechen.

Hauptsymptome

Das Leitsymptom des mikrobiellen Ekzems ist Juckreiz. Dieser kann mäßig bis stark ausgeprägt sein, den Schlaf beeinträchtigen und zu ständigem Kratzen führen.

Weitere häufige Symptome:

  • Hautrötung
  • Nässen
  • Bildung fester Krusten
  • Schuppung
  • Schmerzen im betroffenen Bereich
  • Brennen
  • Hautrisse
  • Schwellung des umliegenden Gewebes

Bei längerem Verlauf wird die Haut häufig dicker, rauer und kann ihre Farbe verändern.

Ursachen der Erkrankung

Die Hauptursache des mikrobiellen Ekzems ist das Zusammenspiel von chronischer Hautschädigung und dem Vorhandensein von Mikroorganismen im Entzündungsherd.

Zu den äußeren Faktoren gehören:

  • infizierte Wunden
  • Schürfwunden und Schnittverletzungen
  • Verbrennungen
  • postoperative Narben
  • langanhaltende Hautreizungen
  • chronische Kratzverletzungen

Zu den inneren Faktoren gehören:

  • Krampfadererkrankung
  • chronische venöse Insuffizienz
  • trophische Ulzera
  • verminderte Schutzfunktion der Haut
  • allergische Veranlagung
  • Störungen der Immunantwort

Die Erkrankung entwickelt sich häufig bei Menschen, deren Haut über längere Zeit entzündet ist oder nach Verletzungen nur schlecht heilt.

Wie entsteht ein mikrobielles Ekzem?

Wenn die Haut geschädigt wird, verliert sie ihre Schutzfunktion. Durch diese Bereiche können Bakterien und andere Mikroorganismen leichter eindringen.

Das Immunsystem reagiert auf die Mikroorganismen und deren Stoffwechselprodukte. Dadurch entwickelt sich eine Entzündung, die sich allmählich über die ursprüngliche Hautschädigung hinaus ausbreitet.

Es entstehen Rötungen, Juckreiz, Nässen und die charakteristischen Krusten. Bleibt die Entzündung über längere Zeit bestehen, wird die Haut empfindlicher und kann den Krankheitsprozess auch dann aufrechterhalten, wenn die Zahl der Mikroorganismen bereits zurückgegangen ist.

Formen und Varianten

Je nach Ursache und Lokalisation werden verschiedene Formen des mikrobiellen Ekzems unterschieden.

Paratraumatisches Ekzem

Entwickelt sich rund um Wunden, Operationsnarben und andere Hautverletzungen.

Variköses Ekzem

Entsteht auf dem Boden einer chronischen venösen Insuffizienz und betrifft meist die Unterschenkel.

Nummuläres (münzförmiges) Ekzem

Zeigt sich durch rundliche entzündliche Hautherde.

Sycosiformes Ekzem

Steht im Zusammenhang mit einer chronischen Entzündung der Haarfollikel.

Trotz der Unterschiede sind die Entstehungsmechanismen und Behandlungsprinzipien dieser Formen weitgehend ähnlich.

Womit kann ein mikrobielles Ekzem verwechselt werden?

Das mikrobielle Ekzem gehört zu den Erkrankungen, die häufig mit anderen Hautkrankheiten verwechselt werden. Selbst für erfahrene Menschen ohne medizinische Ausbildung ist die Unterscheidung anhand von Fotos oft schwierig.

Mikrobielles Ekzem oder Psoriasis?

Psoriasis zeigt sich typischerweise als trockene, feste Plaques mit silbrig-weißen Schuppen. Nässen und eitrige Krusten sind weniger typisch.

Das mikrobielle Ekzem entwickelt sich dagegen häufig um Hautverletzungen herum und geht mit Flüssigkeitsabsonderung und gelben Krusten einher.

Mikrobielles Ekzem oder Hautpilz?

Pilzinfektionen verursachen oft ringförmige Herde mit stärkerer Schuppung am Rand.

Beim mikrobiellen Ekzem stehen meist eine ausgeprägte Entzündung, Nässen und der Zusammenhang mit Wunden oder Ulzera im Vordergrund.

Mikrobielles Ekzem oder Flechte?

Unter dem Begriff „Flechte“ werden verschiedene Hauterkrankungen zusammengefasst. Einige Formen können äußerlich tatsächlich einem Ekzem ähneln.

Für eine sichere Diagnose sind häufig eine ärztliche Untersuchung und zusätzliche Tests erforderlich.

Mikrobielles Ekzem oder Krätze?

Bei Krätze ist der Juckreiz besonders nachts stark ausgeprägt. Zudem finden sich typische Milbengänge und charakteristische Befallsmuster, beispielsweise zwischen den Fingern.

Für das mikrobielle Ekzem ist eher die Lokalisation rund um chronische Hautschäden sowie das Vorhandensein von Nässen und Krusten typisch.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Eine fachärztliche Untersuchung ist erforderlich, wenn:

  • Rötung und Juckreiz länger als einige Tage bestehen
  • Nässen und Krusten auftreten
  • sich der Herd allmählich vergrößert
  • die Erkrankung rund um eine Wunde oder ein Ulkus entstanden ist
  • Schmerzen und deutliche Schwellungen auftreten
  • die Behandlung keine Besserung bringt
  • wiederholte Krankheitsschübe auftreten

Besonders wichtig ist eine frühzeitige Abklärung bei trophischen Ulzera oder Anzeichen einer chronischen venösen Insuffizienz.

Behandlung

Die Behandlung des mikrobiellen Ekzems zielt sowohl auf die Reduktion der Hautentzündung als auch auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursache ab.

Eine sorgfältige Hautpflege spielt eine wichtige Rolle. Empfohlen werden:

  • schonende Reinigung der Haut
  • Schutz geschädigter Bereiche vor weiteren Verletzungen
  • Aufrechterhaltung einer ausreichenden Hautfeuchtigkeit

Der Arzt kann lokale Behandlungen in Form von Cremes, Salben oder anderen äußerlich anzuwendenden Präparaten verordnen, um Entzündungen, Juckreiz und Nässen zu reduzieren.

Bei ausgeprägten Infektionen oder großflächigen Entzündungen kann zusätzlich eine systemische Therapie erforderlich sein. Der genaue Behandlungsplan richtet sich nach Ursache, Ausdehnung der Erkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Beim varikösen Ekzem ist die Behandlung der chronischen venösen Insuffizienz besonders wichtig, da die Erkrankung ohne Beseitigung des zugrunde liegenden Problems häufig wiederkehrt.

Die Therapie wird immer individuell nach Untersuchung und gesicherter Diagnose festgelegt.

Fragen und Antworten

Kann man ein mikrobielles Ekzem heilen?

Ja, in den meisten Fällen spricht die Erkrankung gut auf die Behandlung an. Für einen langfristigen Erfolg muss jedoch die Ursache der chronischen Entzündung beseitigt werden, beispielsweise eine Infektion, ein trophisches Ulkus oder eine venöse Durchblutungsstörung.

Ist ein mikrobielles Ekzem gefährlich?

In der Regel stellt die Erkrankung keine Lebensgefahr dar. Ohne Behandlung kann sie jedoch chronisch werden, erhebliche Beschwerden verursachen und sich auf benachbarte Hautbereiche ausbreiten.

Helfen rezeptfreie Salben?

Einige Mittel können die Symptome vorübergehend lindern. Die eigenständige Auswahl von Präparaten führt jedoch nicht selten zu einer Verschlechterung des Hautzustands. Die optimale Behandlung sollte nach Diagnosestellung durch einen Arzt festgelegt werden.

Ist ein mikrobielles Ekzem ansteckend?

Nein. Die Erkrankung wird weder durch alltäglichen Kontakt noch durch Berührungen oder gemeinsam genutzte Gegenstände übertragen.

Kann ein mikrobielles Ekzem von selbst verschwinden?

Manchmal nehmen die Beschwerden vorübergehend ab. Ohne Beseitigung der Ursache bleibt die Erkrankung jedoch häufig bestehen oder kehrt wieder zurück.

Warum entstehen gelbe Krusten?

Die Krusten entstehen aus entzündlicher Flüssigkeit, Hautzellen und Stoffwechselprodukten von Mikroorganismen. Sie gehören zu den typischen Merkmalen der Erkrankung.

Darf man die betroffenen Hautstellen waschen?

Normale Hygiene ist wichtig. Längerer Wasserkontakt kann jedoch Juckreiz und Reizungen verstärken. Die Pflegeempfehlungen werden individuell festgelegt.

Bleiben nach der Heilung Spuren zurück?

Nach Abklingen der Entzündung können vorübergehend Farbveränderungen der Haut bestehen bleiben. In den meisten Fällen werden diese mit der Zeit weniger sichtbar.

Quellen und medizinische Literatur

  • International Eczema Council (IEC)
  • American Academy of Dermatology (AAD)
  • National Eczema Association (NEA)
  • Fitzpatrick’s Dermatology, 10. Auflage
  • Rook’s Textbook of Dermatology, 10. Auflage
  • Bolognia JL, Schaffer JV, Cerroni L. Dermatology, 5. Auflage
  • European Academy of Dermatology and Venereology (EADV)
  • World Allergy Organization (WAO)
  • UpToDate: Nummuläres Ekzem und mikrobielles Ekzem
  • British Association of Dermatologists (BAD) – Leitlinien zum Ekzemmanagement

Fotos des mikrobiellen Ekzems: